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Praxis

Der Filialmarketing-Audit: Die 65-Punkte-Checkliste

65 Punkte. 6 Kategorien. Ein Score der zeigt wo du stehst — und wo die größten Hebel sind.

Roland Fiege · 11. April 2026 · 10 Min Lesezeit
Quentin Matsys — Der Geldwechsler und seine Frau: Sorgfältig prüfen was zählt

Quentin Matsys, Der Geldwechsler und seine Frau (1514) — Wer nicht prüft, weiß nicht wo er steht. Ein Audit bringt Klarheit.

Wie gut ist dein Filialmarketing? Nicht dein Gefühl — dein Score.

Die meisten Filialisten können diese Frage nicht beantworten. Sie wissen ungefähr, dass ihre Google-Profile "ganz okay" sind. Sie glauben, dass ihre Bewertungen "nicht schlecht" sind. Sie hoffen, dass ihr Budget "richtig verteilt" ist.

Hoffen ist keine Strategie. Ein Audit ist eine.

Diese 65-Punkte-Checkliste deckt alles ab: Google Business Profil, Website und Local SEO, Reviews, Paid Ads, KI-Readiness und Tracking. Jeder Punkt ist entweder erfüllt (1 Punkt) oder nicht (0 Punkte). Am Ende hast du einen Score — und weißt genau wo die Hebel sind.

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Kategorie 1: Google Business Profil (15 Punkte)

Das Google Business Profil ist die Basis von allem. Laut Whitespark (2026) kommen 8 von 10 Rankingfaktoren für das Local Pack aus dem GBP. Wenn du hier schlecht abschneidest, bringt der Rest wenig. Mehr dazu im Praxis-Guide zum Google Business Profil.

  1. Google Business Profil ist verifiziert und aktiv
  2. Unternehmensname ist korrekt (keine Keyword-Stuffing)
  3. Primäre Kategorie ist korrekt gewählt
  4. Sekundäre Kategorien sind gesetzt (mindestens 2)
  5. Adresse ist korrekt und stimmt mit Website überein
  6. Telefonnummer ist korrekt und stimmt mit Website überein
  7. Öffnungszeiten sind aktuell (inkl. Feiertage)
  8. Website-URL ist hinterlegt und verlinkt auf Standortseite
  9. Unternehmensbeschreibung ist ausgefüllt (mind. 250 Zeichen)
  10. Mindestens 10 Fotos sind hochgeladen
  11. Fotos sind aktuell (nicht älter als 12 Monate)
  12. Produkte oder Dienstleistungen sind hinterlegt
  13. Google Posts werden regelmäßig veröffentlicht (mind. 2x/Monat)
  14. Q&A-Bereich ist mit eigenen Fragen befüllt
  15. Alle Attribute sind gesetzt (Barrierefreiheit, Zahlungsmethoden, etc.)

Kategorie 2: Website & Local SEO (10 Punkte)

Deine Website ist dein digitales Schaufenster. Für Local SEO muss jeder Standort eine eigene Seite haben — mit den richtigen Signalen für Google und KI-Systeme.

  1. Jeder Standort hat eine eigene URL / Landing Page
  2. H1 enthält Stadtname und Hauptkeyword
  3. Title Tag enthält Stadtname und Hauptkeyword
  4. Meta Description ist einzigartig pro Standort
  5. NAP-Daten auf der Seite stimmen mit GBP überein
  6. Schema.org LocalBusiness Markup ist implementiert
  7. Google Map ist eingebettet
  8. Seite lädt in unter 3 Sekunden (mobile)
  9. Seite ist mobile-responsive
  10. Mindestens 300 Wörter einzigartiger Content pro Standortseite

Kategorie 3: Reviews & Reputation (10 Punkte)

Bewertungen beeinflussen Ranking, Conversion und KI-Empfehlungen. Dieser Bereich ist einer der größten Hebel — und einer der am meisten vernachlässigten.

  1. Durchschnittlich mindestens 50 Bewertungen pro Standort
  2. Durchschnittliche Bewertung über 4,0 Sterne
  3. Antwortrate auf Bewertungen über 80%
  4. Durchschnittliche Antwortzeit unter 48 Stunden
  5. Systematischer Prozess zum Sammeln neuer Bewertungen vorhanden
  6. QR-Code oder NFC-Aufsteller am Point of Sale
  7. Follow-up-Prozess für Bewertungsbitte (E-Mail/SMS)
  8. Negative Bewertungen werden professionell beantwortet
  9. Fake-Reviews werden systematisch gemeldet
  10. Monatliches Review-Reporting pro Standort

Kategorie 4: Paid Ads — lokal (10 Punkte)

Lokale Paid Ads sind der schnellste Hebel für Store Visits. Aber nur wenn sie richtig aufgesetzt sind — mit lokaler Aussteuerung, nicht mit nationalem Gießkannenprinzip.

  1. Google Ads Kampagnen sind pro Standort / Region aufgesetzt
  2. Location Extensions (Standorterweiterungen) sind aktiv
  3. Lokale Keywords sind eingebucht (Stadt + Dienstleistung)
  4. Anzeigentexte enthalten lokalen Bezug
  5. Geotargeting ist auf relevantes Einzugsgebiet eingegrenzt
  6. Negative Keywords für irrelevante Regionen sind gesetzt
  7. Performance Max oder Local Campaigns werden getestet
  8. Budget ist nach Standort-Potenzial verteilt (nicht gleichmäßig)
  9. Social Ads (Meta, TikTok) mit Geo-Targeting sind aktiv
  10. A/B-Testing wird für Anzeigentexte und Landingpages durchgeführt

Kategorie 5: KI-Readiness (10 Punkte)

Die neueste und wichtigste Kategorie. KI-Systeme wie ChatGPT, Google AI Overviews und Perplexity werden zunehmend zum Gatekeeper für lokale Kaufentscheidungen. Wer hier nicht vorbereitet ist, verliert Sichtbarkeit. Ein ausführlicher Check findet sich im 15-Minuten-Local-Marketing-Check.

  1. Schema.org LocalBusiness Markup auf jeder Standortseite
  2. NAP-Daten konsistent über alle Plattformen (Google, Apple, Bing, Facebook, Branchenverzeichnisse)
  3. Bewertungen auf mehreren Plattformen vorhanden (nicht nur Google)
  4. Aktuelle, relevante Inhalte werden regelmäßig publiziert
  5. FAQ-Bereich mit strukturierten Daten auf der Website
  6. Google Business Posts werden regelmäßig veröffentlicht
  7. Fotos und Videos sind aktuell und mit Alt-Text versehen
  8. Branchenverzeichnis-Einträge sind aktuell und konsistent
  9. Website-Content ist maschinenlesbar (keine reinen Bild-Texte, PDFs)
  10. KI-generierte Antworten werden regelmäßig überprüft (was empfiehlt ChatGPT?)

Kategorie 6: Tracking & Reporting (10 Punkte)

Was du nicht misst, kannst du nicht verbessern. Tracking ist der Bereich der am häufigsten fehlt — und der den Unterschied macht zwischen Bauchgefühl und datengetriebenen Entscheidungen.

  1. Google Analytics / Web Analytics ist auf jeder Standortseite aktiv
  2. Google Business Profile Insights werden monatlich ausgewertet
  3. Anrufe von GBP werden getrackt (Call Tracking oder Google-eigenes Tracking)
  4. Routenplanungen werden als KPI erfasst
  5. Store Visit Attribution ist aktiviert (falls verfügbar)
  6. Conversion-Tracking für lokale Ziele ist eingerichtet (Terminbuchung, Anruf, Route)
  7. Monatliches Reporting pro Standort existiert
  8. Benchmarking zwischen Standorten wird durchgeführt
  9. Budget-Allokation wird datenbasiert angepasst (quartalsweise)
  10. Incrementality Testing oder Geo-Holdout Tests werden durchgeführt (mind. 1x/Jahr)

Dein Score: Was er bedeutet

Zähle deine Punkte zusammen. Jeder erfüllte Punkt = 1 Punkt. Maximum: 65.

55-65 Punkte (85-100%): Exzellent. Du bist im lokalen Marketing führend. Deine Filialen sind sichtbar, deine Daten sind sauber, dein Tracking funktioniert. Fokus: Optimierung der Details und Innovationsvorsprung halten. Du gehörst zu den Top 5% der Filialnetze in DACH.

40-54 Punkte (60-84%): Gut. Solide Basis. Aber es gibt klare Lücken — wahrscheinlich in KI-Readiness oder Tracking. Fokus: Die Lücken schließen und von gut auf exzellent kommen. Der Aufwand ist überschaubar, der Impact groß.

25-39 Punkte (38-60%): Handlungsbedarf. Mehrere Bereiche sind unterentwickelt. Vermutlich fehlt ein systematischer Ansatz — jeder Standort macht sein eigenes Ding. Fokus: Zentrales System aufbauen, mit GBP anfangen, dann Reviews, dann den Rest. Genau das beschreibt der Artikel über das kaputte System.

Unter 25 Punkte (unter 38%): Kritisch. Grundlegende Infrastruktur fehlt. Viele Standorte sind bei Google unsichtbar. Kein Tracking, kein System, kein Plan. Fokus: Sofort mit den Basics starten. Google Business Profile verifizieren und ausfüllen. Bewertungen sammeln. Standortseiten bauen. Jeder Punkt zählt.

Wo die meisten Filialnetze stehen

In meiner Erfahrung liegt der Durchschnittsscore beim ersten Audit zwischen 20 und 35 Punkten. Das klingt ernüchternd — ist es auch. Aber es bedeutet auch: Das Verbesserungspotenzial ist riesig.

Die typischen Schwächen:

Das ergibt im Schnitt etwa 21 von 65 Punkten. Kritisch. Aber fixbar.

Der Aktionsplan: Wo du anfängst

Nicht alles gleichzeitig. Hier ist die Reihenfolge die den schnellsten Impact bringt:

Monat 1: Google Business Profile (Kategorie 1). Alle Profile verifizieren, ausfüllen, aktualisieren. Das ist die Basis für alles andere. 15 Punkte potenzielle Verbesserung. Impact: sofort sichtbar.

Monat 2: Reviews (Kategorie 3). Bewertungsprozess aufsetzen, Team trainieren, QR-Codes aufstellen, auf bestehende Bewertungen antworten. 10 Punkte Verbesserung. Impact: innerhalb von 4-6 Wochen sichtbar.

Monat 3: Website und Local SEO (Kategorie 2). Standortseiten bauen oder überarbeiten, Schema.org implementieren, lokalen Content schreiben. 10 Punkte. Impact: 2-3 Monate bis zur vollen Wirkung.

Monat 4-6: Paid Ads + KI-Readiness + Tracking (Kategorien 4-6). Die fortgeschrittenen Bereiche. Hier brauchst du meistens externe Unterstützung oder spezialisierte Tools. 30 Punkte. Impact: kontinuierlich wachsend.

Für das Team: So führst du den Audit durch

Der Audit funktioniert am besten als Team-Übung. Hier ist der Prozess:

  1. Pilotstandorte auswählen. Starte mit 5-10 repräsentativen Standorten — nicht mit allen gleichzeitig.
  2. Checkliste durchgehen. Pro Standort braucht ein erfahrener Prüfer etwa 60-90 Minuten.
  3. Scores erfassen. Pro Standort und pro Kategorie. So siehst du nicht nur den Gesamtscore, sondern auch wo genau die Probleme liegen.
  4. Ergebnisse vergleichen. Welche Standorte sind stark? Welche schwach? Gibt es Muster? (Oft sind Franchise-Nehmer in Universitätsstädten weiter als in ländlichen Gebieten.)
  5. Aktionsplan erstellen. Basierend auf dem niedrigsten Kategorie-Score. Niedrigster Score = höchster Hebel.
  6. Quartalweise wiederholen. Der Audit ist kein einmaliges Event. Er ist ein kontinuierlicher Prozess.

Die Checkliste als PDF: Alle 65 Punkte zum Ausdrucken, mit Platz für Notizen und Scores pro Standort. Jetzt kostenlos als Newsletter-Abonnent herunterladen.

Weiterlesen: Lokales Marketing ist kaputt (Das Manifest) · Der 15-Minuten-Local-Marketing-Check (Praxis) · Google Business Profil einrichten (Praxis)

Quellen

  1. Whitespark — Local Search Ranking Factors 2026: 8 von 10 Rankingfaktoren für das Local Pack aus dem Google Business Profil.
  2. BrightLocal — Local Consumer Review Survey 2026: 98% lesen Bewertungen; 56% der Filialisten bei Google praktisch unsichtbar.
  3. Google — Think with Google: 76% der lokalen Suchen führen innerhalb von 24 Stunden zu einem Ladenbesuch.
  4. IAB — State of Incrementality 2024: 71% der Advertiser halten Incrementality für wichtiger als ROAS.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Filialmarketing-Audit?

Ein Filialmarketing-Audit ist eine systematische Überprüfung aller lokalen Marketing-Aktivitäten eines Filialnetzes. Er umfasst Google Business Profile, Local SEO, Bewertungsmanagement, lokale Paid Ads, KI-Readiness und Tracking. Das Ergebnis ist ein Score der zeigt wo Stärken und Schwächen liegen.

Wie oft sollte man einen Filialmarketing-Audit durchführen?

Mindestens einmal pro Quartal für das gesamte Filialnetz. Einzelne Standorte mit unterdurchschnittlichen Ergebnissen monatlich. Nach größeren Änderungen wie neuen Standorten oder Rebranding ist ein sofortiger Audit sinnvoll.

Was ist ein guter Score beim Filialmarketing-Audit?

55-65 Punkte ist exzellent. 40-54 ist gut mit Optimierungspotenzial. 25-39 bedeutet Handlungsbedarf. Unter 25 ist kritisch. Die meisten Filialnetze in DACH liegen beim ersten Audit zwischen 20 und 35 Punkten.

Welche Kategorie im Audit hat den größten Impact?

Google Business Profil (15 Punkte) hat den größten direkten Impact auf Sichtbarkeit. Es ist die Datenbasis für lokale Suche, KI-Empfehlungen und das Local Pack. Reviews (10 Punkte) hat den zweitgrößten Impact — Bewertungen beeinflussen sowohl Ranking als auch Conversion.


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RF

Roland Fiege

15+ Jahre Online-Marketing. IPG Mediabrands Frankfurt + London. Senior Account Manager New Business bei Axregio GmbH. Gastdozent FH Köln & Uni St. Gallen. TV-Experte (n-tv, ARD, ZDF). Publizierter Autor. Schreibt über lokales Marketing, KI und die Zukunft der Filialwirtschaft.

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