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Gesellschaft

Gen Z sucht lokal — aber anders: Was Filialisten wissen müssen

TikTok als Suchmaschine, Instagram statt Google Reviews — wie unter 25-Jährige lokale Geschäfte entdecken. Und was sich für Filialisten ändert.

Roland Fiege · 6. April 2026 · 7 Min Lesezeit
Caravaggio — Bacchus: Auch die Jugend hat ihre eigenen Wege

Caravaggio, Bacchus (ca. 1596) — Die Jugend feiert auf ihre Art. Und sucht auf ihre Art. TikTok ist ihr Google.

Stell dir vor, du bist 22 und suchst ein gutes Restaurant in einer fremden Stadt. Was machst du? Du öffnest nicht Google. Du öffnest TikTok. Du tippst "Best restaurants in Mannheim" ein und scrollst durch kurze Videos: Leute die essen, Interieurs die vibrieren, Gerichte die dampfen. In 30 Sekunden hast du ein Gefühl für den Laden — ein Gefühl, das kein Google-Eintrag und keine Sternebewertung vermitteln kann.

Das ist nicht Zukunft. Das ist Gegenwart. Laut einer Google-internen Studie (2024) nutzen 40% der 18- bis 24-Jährigen TikTok oder Instagram anstelle von Google Search für lokale Suchen. Google hat das selbst zugegeben — und es hat die Branche aufgerüttelt.

Für Filialisten bedeutet das: Die nächste Generation von Kunden findet dich nicht über dein Google Business Profil. Sie findet dich über ein TikTok-Video, das ein Kunde in deinem Laden gedreht hat. Oder eben nicht.

Wie Gen Z lokale Geschäfte entdeckt

Die Suchgewohnheiten der Gen Z unterscheiden sich fundamental von denen älterer Generationen. Nicht nur in der Plattformwahl — sondern in der gesamten Art, wie Vertrauen aufgebaut wird.

TikTok als lokale Suchmaschine

TikTok ist nicht mehr nur eine Unterhaltungsplattform. Es ist eine Suchmaschine. Und zwar eine, die besonders gut für lokale Suchen funktioniert. "Best coffee Mannheim", "hidden gems Berlin", "where to eat Köln" — diese Suchanfragen haben auf TikTok Millionen Views. Und die Ergebnisse sind nicht Texte und Sternebewertungen. Es sind kurze Videos von echten Menschen in echten Läden.

TikTok hat das erkannt und seine Suchfunktion massiv ausgebaut. Seit 2024 zeigt TikTok Suchergebnisse mit Karten-Integration und lokalen Empfehlungen. Laut DataReportal (2026) nutzen in Deutschland 22 Millionen Menschen TikTok monatlich — und die Suche ist eine der am schnellsten wachsenden Funktionen.

Was das für Filialisten bedeutet: Dein Laden muss auf TikTok vorkommen. Nicht unbedingt durch deinen eigenen Account — sondern durch Content, den deine Kunden über dich erstellen.

Instagram als Vertrauens-Check

Wenn Gen Z ein Restaurant, ein Café oder einen Laden in Betracht zieht, geht der nächste Schritt nicht zu Google Reviews. Er geht zu Instagram. Das Profil des Ladens wird gecheckt: Wie sieht der Feed aus? Gibt es aktuelle Stories? Markieren Kunden den Laden in ihren Posts?

Laut einer Studie von YPulse (2025) vertrauen 67% der 16- bis 24-Jährigen Instagram-Posts und -Stories mehr als Google-Bewertungen, wenn es um die Einschätzung eines lokalen Geschäfts geht. Der Grund: Fotos und Videos fühlen sich authentischer an als anonyme Sternebewertungen.

Das hat Konsequenzen: Ein Filialist mit 4,8 Sternen bei Google aber einem verwaisten Instagram-Account verliert bei Gen Z an Glaubwürdigkeit. Der Instagram-Auftritt ist nicht optional — er ist der Vertrauens-Check.

Google Maps: Visuell, nicht textbasiert

Auch Google Maps verändert sich unter dem Einfluss von Gen Z. Google hat auf den Druck reagiert und visuelle Elemente massiv ausgebaut: Fotogalerien, Street View, Immersive View und — besonders relevant — Kurzvideos in den Maps-Einträgen. Nutzer können eigene Videos hochladen, die im Profil erscheinen.

Für Gen Z ist ein Google-Maps-Eintrag ohne Fotos praktisch unsichtbar. Laut BrightLocal (2026) klicken 73% der 18- bis 29-Jährigen nicht auf einen Google-Maps-Eintrag ohne Fotos. Null Fotos = null Vertrauen.

Was sich für Filialisten ändern muss

Die Erkenntnis ist klar: Google allein reicht nicht mehr. Aber was bedeutet das konkret für einen Filialisten mit 50 oder 500 Standorten?

1. Social-first Local Strategy

Der Begriff klingt nach Buzzword — aber er beschreibt einen echten Shift. "Social-first" bedeutet nicht, dass du Google aufgibst. Es bedeutet, dass Social Media kein Nachgedanke mehr sein darf, sondern ein gleichwertiger Kanal in deiner lokalen Strategie.

Konkret heißt das:

2. User-generated Content (UGC) systematisch fördern

Der beste Marketing-Content für Gen Z kommt nicht von dir. Er kommt von deinen Kunden. User-generated Content — Fotos, Videos, Stories, die Kunden freiwillig erstellen — ist für Gen Z die glaubwürdigste Form von Werbung.

Laut Stackla (2024) vertrauen 84% der 18- bis 29-Jährigen UGC mehr als markenproduzierten Inhalten. Das ist keine kleine Differenz. Das ist ein fundamentaler Vertrauensunterschied.

Wie förderst du UGC als Filialist?

3. Google Maps visuell aufrüsten

Auch wenn Gen Z TikTok und Instagram bevorzugt — Google Maps nutzen sie trotzdem. Aber sie nutzen es anders. Sie scrollen durch die Fotos. Sie schauen sich Videos an. Sie lesen die ersten zwei Zeilen einer Bewertung und scrollen weiter.

Das heißt für dich:

Die unbequeme Wahrheit

Gen Z ist die erste Generation, die nicht mit Google als Standard aufgewachsen ist. Für sie ist eine Suchmaschine nicht automatisch eine Website mit Textlinks. Eine Suchmaschine ist das, was ihnen am schnellsten die beste Antwort gibt — und diese Antwort ist oft ein 15-Sekunden-Video auf TikTok.

Das bedeutet nicht, dass Google stirbt. Google bleibt der wichtigste Kanal für lokales Marketing insgesamt. Aber die Dominanz bröckelt. Und bei der Generation, die in den nächsten Jahren den Großteil der Konsumausgaben übernimmt, bröckelt sie besonders schnell.

Laut Bain & Company (2025) wird Gen Z bis 2030 für 27% der globalen Konsumausgaben verantwortlich sein. Wer diese Generation jetzt nicht erreicht, verliert sie nicht nur heute — er verliert sie für die nächsten 20 Jahre.

Die gute Nachricht: Du musst nicht TikTok-Star werden. Du musst nicht jeden Trend mitmachen. Du musst nur verstehen, dass dein Laden nicht nur bei Google existieren darf. Er muss dort existieren, wo deine zukünftigen Kunden suchen. Und das ist zunehmend auf Social Media.

Weiterlesen: Lokales Marketing ist kaputt (Das Manifest) · 45% nutzen ChatGPT für lokale Empfehlungen (KI) · GEO statt SEO (KI)

Quellen

  1. Google — Internal Search Trends Study 2024: 40% der Gen Z nutzen TikTok oder Instagram für lokale Suchen statt Google.
  2. DataReportal — Digital 2026 Germany: 22 Millionen monatliche TikTok-Nutzer in Deutschland.
  3. YPulse — Gen Z Social Commerce Report 2025: 67% der 16-24-Jährigen vertrauen Instagram-Posts mehr als Google-Bewertungen für lokale Geschäfte.
  4. Bain & Company — How Gen Z Is Reshaping Consumer Spending 2025: Gen Z verantwortlich für 27% der globalen Konsumausgaben bis 2030.
  5. BrightLocal — Local Consumer Review Survey 2026: 73% der 18-29-Jährigen klicken nicht auf Google-Maps-Einträge ohne Fotos.

Häufig gestellte Fragen

Nutzt Gen Z wirklich TikTok als Suchmaschine?

Ja. Laut einer Google-internen Studie nutzen 40% der 18- bis 24-Jährigen TikTok oder Instagram anstelle von Google für lokale Suchen. Bei Suchanfragen wie "bestes Café in Berlin" bevorzugt Gen Z Video-Ergebnisse, weil sie authentischer und visueller sind.

Was ist User-generated Content (UGC) und warum ist er wichtig?

UGC sind Inhalte, die Kunden freiwillig erstellen — Fotos, Videos, Reviews, TikToks. 84% der 18-29-Jährigen vertrauen UGC mehr als Markeninhalten. Filialisten können UGC fördern durch instagrammable Elemente im Laden und aktive Motivation zum Teilen.

Wie können Filialisten Gen Z erreichen?

Drei Hebel: (1) Standortspezifischen TikTok- und Instagram-Content erstellen — authentisch, nicht perfekt. (2) User-generated Content systematisch fördern. (3) Google Maps visuell aufrüsten mit mindestens 20 Fotos und Kurzvideos pro Standort.

Ist Google für Gen Z noch relevant?

Ja, aber weniger dominant. 60% der Gen Z nutzen Google noch für lokale Suchen, aber 40% starten auf TikTok oder Instagram. Eine Multi-Plattform-Strategie ist unverzichtbar.


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Roland Fiege

15+ Jahre Online-Marketing. IPG Mediabrands Frankfurt + London. Senior Account Manager New Business bei Axregio GmbH. Gastdozent FH Köln & Uni St. Gallen. TV-Experte (n-tv, ARD, ZDF). Publizierter Autor. Schreibt über lokales Marketing, KI und die Zukunft der Filialwirtschaft.

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