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ROAS für lokale Kampagnen: Warum der klassische ROAS lügt

Der klassische ROAS ignoriert 76% der Conversions im Laden. Was du stattdessen messen solltest.

Roland Fiege · 6. April 2026 · 7 Min Lesezeit
Willem Claesz Heda — Bankettstück

Willem Claesz Heda, Bankettstück (1635) — Jeder Euro muss sich lohnen — ROAS als Kompass für lokale Kampagnen.

ROAS. Return on Ad Spend. Die heilige Metrik des Performance-Marketings. Du investierst 1 Euro, bekommst 4 Euro zurück — ROAS 4x. Dashboard ist grün. Alle klatschen.

Oder: Du investierst 1 Euro, bekommst 0,80 Euro zurück — ROAS 0,8x. Dashboard ist rot. Budget wird gestrichen. Kampagne wird abgeschaltet.

Das Problem: Für Filialisten ist diese Zahl falsch. Nicht ein bisschen falsch. Fundamental falsch. Denn der klassische ROAS misst nur das, was online passiert. Und für Filialisten passiert das Wichtigste offline.

Die 76%-Lücke: Was dein Dashboard nicht zeigt

Google hat es selbst veröffentlicht: 76% der lokalen Smartphone-Suchen führen innerhalb von 24 Stunden zu einem Ladenbesuch. Nicht zu einem Website-Besuch. Zu einem Ladenbesuch.

Denk kurz darüber nach, was das für deinen ROAS bedeutet.

Ein Beispiel: Du schaltest Google Ads für 30 Optiker-Filialen. Monatliches Budget: 15.000 Euro. Dein Dashboard zeigt:

Ein ROAS von 1,44x. Nicht berauschend. Dein CFO fragt: "Warum geben wir 15.000 Euro für einen ROAS unter 2 aus?"

Aber was dein Dashboard nicht zeigt:

Der wahre ROAS inklusive Offline: (21.600 + 239.400) / 15.000 = 17,4x.

Dein CFO würde das Budget verdoppeln. Aber er sieht nur die 1,44x.

Warum der Online-ROAS systematisch unterschätzt

Das Problem ist nicht, dass der ROAS falsch berechnet wird. Die Formel stimmt. Das Problem ist, was in die Formel einfließt — und was nicht.

Der klassische Online-ROAS erfasst:

Der klassische Online-ROAS ignoriert:

Für einen reinen Online-Shop ist das kein Problem. Der gesamte Umsatz passiert online und wird erfasst. Für einen Filialisten ist es eine Katastrophe. Denn der größte Teil des Umsatzes passiert an der Ladenkasse — und taucht im ROAS nicht auf.

Die Konsequenz: Falsche Budget-Entscheidungen

Wenn du auf Basis eines falschen ROAS Entscheidungen triffst, passieren drei Dinge:

1. Du streichst profitable Kampagnen. Eine Kampagne mit Online-ROAS 0,8x sieht unprofitabel aus. Aber wenn du die Offline-Conversions einrechnest, liegt der wahre ROAS vielleicht bei 5x oder 8x. Du schaltest eine profitable Kampagne ab, weil du die Hälfte der Ergebnisse nicht siehst.

2. Du verschiebst Budget zu den falschen Kanälen. Display-Ads haben oft einen höheren Online-ROAS als Search-Ads, weil sie mehr Last-Click-Conversions bekommen. Aber Search-Ads generieren deutlich mehr Store Visits. Wenn du nur auf Online-ROAS schaust, verschiebst du Budget von Search zu Display — und verlierst Ladenbesuche.

3. Du unterschätzt den Wert von lokalem Marketing insgesamt. Wenn jede lokale Kampagne einen ROAS unter 2 zeigt, entsteht in der Geschäftsführung der Eindruck: "Lokales digitales Marketing funktioniert nicht." Das Gegenteil ist wahr. Es funktioniert — du misst es nur falsch.

Der True Local ROI: Was du stattdessen messen solltest

Der True Local ROI kombiniert alle Conversion-Quellen zu einer Gesamtbetrachtung. Die Formel:

True Local ROI = (Online-Umsatz + Offline-Umsatz + Anruf-Conversions) / Werbekosten

So berechnest du die einzelnen Komponenten:

Online-Umsatz: Direkt aus deinem Analytics-Tool. Terminbuchungen, E-Commerce-Käufe, Lead-Werte.

Offline-Umsatz (Methode 1 — Store Visits): Google Ads Store Visits x Conversion-Rate im Laden x durchschnittlicher Bon-Wert. Beispiel: 2.400 Store Visits x 35% x 285 Euro = 239.400 Euro.

Offline-Umsatz (Methode 2 — OCT): Wenn du Offline Conversion Tracking implementiert hast, nutze die tatsächlichen Match-Daten statt Hochrechnungen. Präziser, aber aufwändiger.

Anruf-Conversions: Klick-to-Call Anrufe x Termin-Quote x durchschnittlicher Auftragswert. Beispiel: 300 Anrufe x 40% Terminquote x 180 Euro = 21.600 Euro.

Der Reporting-Shift: Vom Dashboard zur Wahrheit

Das größte Hindernis ist nicht technisch. Es ist kulturell. Die meisten Marketing-Teams sind auf Online-Metriken trainiert. Das Dashboard ist die Wahrheit. Was nicht im Dashboard steht, existiert nicht.

Für lokales Marketing brauchst du einen Reporting-Shift:

Das bedeutet: Dein Reporting muss verschiedene Datenquellen zusammenführen. Google Ads, Google Business Profile, CRM, Kassensystem. Das ist aufwändiger als ein einzelnes Dashboard. Aber es zeigt die Wahrheit.

Wie du den CFO überzeugst

Hier ist der Pitch, den du morgen halten kannst:

"Unser lokales Marketing hat einen Online-ROAS von 1,4x. Das sieht mittelmäßig aus. Aber wenn wir die 2.400 Store Visits einrechnen, die Google Ads uns zeigt — und wir wissen, dass 35% dieser Besucher kaufen mit einem Bon von 285 Euro — dann generieren wir 261.000 Euro Umsatz aus 15.000 Euro Budget. Das ist ein True Local ROI von 17,4x. Die Frage ist nicht, ob wir das Budget halten. Die Frage ist, ob wir es verdoppeln."

Zahlen schlagen Meinungen. Und der True Local ROI ist die Zahl, die zählt.

Die Benchmark-Falle

Ein letzter Punkt: Vergleiche deinen lokalen ROAS nicht mit E-Commerce-Benchmarks. Ein reiner Online-Shop hat einen ROAS von 4-8x? Schön für ihn. Er hat auch 100% seiner Conversions im Dashboard. Du hast 24%.

Vergleiche dich mit anderen Filialisten. Oder besser: Vergleiche deine eigenen Standorte untereinander. Welche Filiale hat den besten True Local ROI? Warum? Was kann man davon lernen?

Der klassische ROAS lügt nicht absichtlich. Er ist einfach blind für die Offline-Welt. Und in der Offline-Welt passiert das Geschäft. Das ist ein zentrales Thema des kaputten lokalen Marketings — und die gute Nachricht ist: Du kannst es fixen. Mit besseren Metriken, besseren Daten und einem ehrlichen Blick auf das, was wirklich zählt.

Quellen

  1. Think with Google — Near Me Searches: 76% der lokalen Smartphone-Suchen führen innerhalb von 24 Stunden zu einem Ladenbesuch.
  2. Google Ads Help — About Store Visits: Dokumentation zur Store-Visit-Messung in Google Ads.
  3. IAB — State of Incrementality: 71% der Advertiser halten Incrementality für wichtiger als ROAS als Messgröße.
Dieser Artikel ist Teil der Filialhelden-Serie. Lies auch: Lokales Marketing ist kaputt (Das Manifest) · Offline-Conversions tracken (Tracking) · Store Visit Attribution (Tracking)

Häufig gestellte Fragen

Warum ist der klassische ROAS für lokale Kampagnen ungeeignet?

Der klassische ROAS misst nur Online-Conversions — also Käufe im Webshop oder Online-Terminbuchungen. Für Filialisten passieren aber 76% oder mehr der tatsächlichen Conversions offline im Laden. Der klassische ROAS zeigt dir also nur einen Bruchteil des wahren Werts deiner Kampagnen und führt zu falschen Budget-Entscheidungen.

Was ist der Unterschied zwischen Online-ROAS und True Local ROI?

Online-ROAS teilt den Online-Umsatz durch die Werbekosten. True Local ROI bezieht alle Conversions ein: Online-Käufe plus Offline-Käufe im Laden plus Telefonanrufe plus Routenplanungen die zu Besuchen führen. Der True Local ROI liegt typischerweise 3-5x höher als der reine Online-ROAS.

Wie berechne ich den wahren ROI meiner lokalen Kampagnen?

Kombiniere drei Datenquellen: Online-Conversions aus deinem Analytics-Tool, Store Visits aus Google Ads multipliziert mit Conversion-Rate und Bon-Wert, und Offline-Conversions aus deinem CRM. Die Summe geteilt durch deine Werbeausgaben ergibt deinen True Local ROI.


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Roland Fiege

15+ Jahre Online-Marketing. IPG Mediabrands Frankfurt + London. Senior Account Manager New Business bei Axregio GmbH. Gastdozent FH Köln & Uni St. Gallen. TV-Experte (n-tv, ARD, ZDF). Publizierter Autor. Schreibt über lokales Marketing, KI und die Zukunft der Filialwirtschaft.

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